Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Ried eG

Gut gerüstet für die enormen Herausforderungen der Zukunft

 „Wir danken Ihnen für Ihren Besuch und wir danken Ihnen für Ihre Bereitschaft, die Vertreterversammlung auch unter den gegebenen Umständen „live“ zu besuchen. Natürlich haben wir auch vollstes Verständnis für alle Vertreterinnen und Vertreter, die heute nicht persönlich anwesend sind“, begrüßte Vorstandssprecher Claus Diehlmann die 79 anwesenden Vertreter*innen der Raiffeisenbank Ried eG zur Vertreterversammlung am 09.11.2021 im Bürgerhaus in Bürstadt. Bereits zum zweiten Mal kamen diese unter Coronabedingungen zusammen, um über den vorgelegten Jahresabschluss abzustimmen. Für die krankheitsbedingt verhinderte Aufsichtsratsvorsitzende Brigitte Daiker-Neumann hatte das Aufsichtsratsmitglied Karsten Krug die Versammlung eröffnet und angekündigt, dass auch über umfangreiche Satzungsänderungen abzustimmen sei.

Zum Einstieg skizzierte Diehlmann das Jahr 2020 aus gesamtwirtschaftlicher Sicht. „Es war kein leichtes Jahr, aber wir sind auf Wachstumskurs geblieben und haben alle wesentlichen Positionen unserer Bilanz gestärkt. Trotz des schwierigen Umfelds konnten wir uns auf die Stärken unserer Genossenschaftsbank berufen und das Vertrauensverhältnis Kunde zu Bank ausbauen und vertiefen“, resümierte Diehlmann weiter. „Das bilanzielle und außerbilanzielle Wachstum sorgte für ein zufriedenstellendes Ergebnis“, fasste er zusammen und übergab an Vorstandskollegen Frank Ohl.

„Kontinuierliches Wachstum stärkt unsere Marktposition und ist sozusagen der „Rahmen“, in dem wir unsere Erträge generieren. Daher freuen wir uns außerordentlich, dass dies auch im schwierigen Jahr 2020 gelungen ist. Unsere Bilanzsumme ist um 8,68 % auf 431,2 Mio. Euro gestiegen“, eröffnete dieser die Präsentation der Bilanzzahlen. Die sog. Verbundbilanz, die auch das Vermittlungsgeschäft einschließt, wird mit 841,2 Mio. Euro beziffert.

„Schlanke und schnelle Prozesse zeichnen das Kreditgeschäft der Raiffeisenbank aus. Dank unserer überschaubaren Größe dauert es vom Beratungsgespräch bis zur Vertragsunterschrift nur wenige Tage. Wir kennen unsere Kunden, wir kennen die Region und wir sind schnell und gut in der Sachbearbeitung. So können wir auch auf Rückfragen flexibel reagieren und verlieren keine Zeit in internen Abläufen. Wir sind nicht billig, sondern preiswert - unseren Preis wert!“, führte Ohl weiter aus. In Verbindung mit einem unverändert ausgewogenen Kreditportfolio bei überschaubaren Risiken führten diese Faktoren im Ergebnis zu einem Wachstum des Kundenkreditvolumens um 7,55 % auf einen Wert von 249,6 Mio. Euro zum Jahresende 2020.

Mit 47,4 Mio. Euro an Neukrediten habe die Bank ihren Beitrag zur Stabilisierung der lokalen und regionalen Wirtschaftsstruktur erneut geleistet und mit diesen Neukrediten ganz konkret Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen, ergänzte der Vorstand seine Ausführungen zum Kreditgeschäft.

35 Mio. € Corona-Hilfskredite hat die Raiffeisenbank als zweckgebundene Fördermittel in ihrer Bilanz stehen. „Die Berater leisteten hier regelmäßig Wochenenddienste, weil sich die Bedingungen an Hilfsdarlehen permanent geändert haben. Bei diesem für uns alle neuen Thema haben es unsere Kunden besonders geschätzt, dass wir persönlich beraten haben. Echte Menschen mit regionalem Dialekt anstatt künstlicher Intelligenz, Elektronik und Maschinen“, lobte Ohl sein Team.

Die Kundeneinlagen wuchsen trotz Nullzinsen erneut an. Per Jahresende 2020 stehen 340,8 Mio. Euro in der Bilanz, dies entspricht einem Plus von 3,75 %. „Aber, keine Zinsen bringen keine Renditen und daher sind viele Anleger inzwischen offen für Geldanlagen im Wertpapierbereich oder in Lebensversicherungen“, erklärte Ohl. Ganz bewusst offeriere die Bank attraktive Alternativen zur Nullzinsanlagen.

„Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: im Herbst 2020 haben wir erstmals Negativzinsen im Privatkundengeschäft eingeführt.“, eröffnete Vorstandssprecher Claus Diehlmann seinen zweiten Redebeitrag. In einer anschaulichen Modellrechnung legte er dar, wie sich die Ertragslage der Bank in den letzten 10 Jahren aufgrund der Zinsentwicklung verändert hat. Demnach sei die Erhebung von Negativzinsen aktuell und wahrscheinlich auch künftig unausweichlich, resümierte der Vorstand.

Der absolute Wert des Zinsüberschusses reduzierte sich um eine halbe Million Euro und trotz des erhöhten Geschäftsvolumens liegt der relative Wert zum 31.12.2020 mit 1,75 % erneut unter Vorjahresniveau. „Wir müssen auch künftig unser Geschäftsvolumen permanent erhöhen, um stabile Zinserträge zu erwirtschaften. Dem Kreditgeschäft gilt unsere Aufmerksamkeit. Im Gegenzug zur Anlage am zinslosen Kapitalmarkt sind hier noch Gewinnmargen zu erzielen. Andererseits besteht im Kreditgeschäft immer noch ein ruinöser Wettbewerb, da viele Wettbewerber die berechneten Risiken nicht bepreisen.“, erläuterte Diehlmann die Situation.

Die Dividendenzahlung erfolgt für das Geschäftsjahr 2020 erstmals nach dem Mitgliederbonussystem, wonach Mitglieder, die eine umfangreiche und intensive Geschäftsverbindung unterhalten, faktisch bis zu 11 % Dividende erzielen können.  Insgesamt schüttet die Bank somit rund 4% aus, auch wenn die reine Dividende aus dem Bilanzgewinn 1 % beträgt. Von diesem Bilanzgewinn in Höhe von 439.071,78 Euro sollen demnach 1,00 % Dividende, also 38.447,22 Euro, an die Mitglieder ausgeschüttet werden, 180.000 Euro fließen in die gesetzliche und 220.000 Euro in die andere Ergebnisrücklage. 624,56 Euro verbleiben als Gewinnvortrag auf neue Rechnung.

Abschließend dankte Diehlmann insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz auch unter erschwerten Bedingungen im aktuellen Umfeld. Stellvertretend ging er auf Mitarbeiterjubiläen ein, die ganz besonders die Treue zur Bank und damit die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz dokumentieren.

Im weiteren Verlauf präsentierte Aufsichtsratsmitglied Karsten Krug zunächst den Bericht des Aufsichtsrats und führte dann souverän durch die Beschlussfassungen. Insgesamt 12 Satzungsänderungen wurden diskutiert und beschlossen. Weiterer Tagesordnungspunkt waren die Wahlen zum Aufsichtsrat. Die zwei turnusgemäß ausscheidenden Gremiumsmitglieder Brigitte Daiker-Neumann und Karsten Krug wurden erneut in den Aufsichtsrat gewählt.